Godo ist der Gründer von Gauting
Der Ursprung von Gauting geht auf eine keltische und römische Besiedlung zurück. Der Name von Gauting stammt allerdings aus einer jüngeren Zeit. Nachdem die Römerherrschaft in Südbayern durch mehrere Germaneneinbrüche und vor allem durch den Einfall der Hunnen stark erschüttert war, kam das Ende im Jahr 488 n. Chr., Odeaker, der Beherrscher Italiens, berief das römische Heer ab. Der größte Teil der Zivilbevölkerung folgte wohl den Soldaten. In größeren Orten mögen wenige Reste zurückgeblieben sein, kleinere Ortschaften verödeten. Dies scheint wohl auch für den Brückenkopf Bratananium, das römische Gauting, wahrscheinlich.
Gauting entstand, wie sein Name sagt, völlig neu als germanisches Dorf, aber auf der alten keltisch-römischen Feldmark, als in der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts die Bajuwaren von Böhmen her einwanderten.
Im strengsten Sinne besteht für Gauting kein Zusammenhang der germanischen Siedlung mit der antiken, denn vom Untergang des römisch-keltischen Ortes, selbst wenn man ihn erst in die Jahre des Hunneneinfalls setzt, verstrichen bis zur Einwanderung der Bajuwaren mindestens 80-90 Jahre, und jedenfalls ist der alte Name des Ortes verschwunden.
Doch bedeuten 80-90 Jahre bei einem Ort, der mindestens seit der Latènezeit bestanden hat und bis heute besteht, eine nur kurze Unterbrechung. Im weiteren Sinn kann also von einem antik-mittelalterlichen Zusammenhang gesprochen werden.
Wann und auf welche Weise Gauting als Bauernsiedlung gegründet wurde, lässt sich nicht mehr feststellen.
Als echter -ing Ort, wie sie in Bayern und gerade im Würmseegebiet so häufig sind, ist der Ort als eine Sippensiedlung (Geschlechterverband) anzusprechen, die auf den Personennamen Godo, Cotto zurückgeht, also gleich "Siedlung des Cotto". Der Name ist möglicherweise eine Abkürzung oder Koseform des alten deutschen Namens Cotahelm oder Coteprecht. Der erste Teil des Ortsnamens bezeichnet den Gründer des Ortes oder das Oberhaupt der Sippe bzw. Familie, die den Ort gegründet hat. Der zweite Teil des Namens, das -ing, heißt: "Bei den Nachkommen, Angehörigen des…". Die echten -ing-Orte stammen alle aus dem 5.-7. Jahrhundert, d.h. aus der Einwanderungszeit oder kurz danach. Sie liegen häufig längs der Flussläufe, auch längs der Römerstraßen, denen die Einwanderer nachzogen, immer aber in gutem Ackerland und außerhalb des Waldgebietes.
Gauting heißt also wörtlich: "bei Godo (Cotto, Gozzo) und seinen Leuten".
(Quelle: Krämer, Wolfgang: Geschichte der Gemeinde Gauting, 1949)






